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Seltene Nachbarn - Kaiser Wilhelm, Blutstreifling und Gewürzluike

Groß, klein, wuchtig, teils aber auch zierlich und doch irgendwie anmutig ragen die Obstbäume in unserer Hochstammanlage aus dem Herbstnebel. Von goldgelb bis kardinalsrot leuchten die Früchte aus ihrem Blättermantel heraus. Allein der Anblick der so unterschiedlich drein schauenden Bäume demonstriert Vielfalt. Bei unserem Hopfengut Obstgarten handelt es sich nämlich um eine alte Sortensammlung mit über 20 verschiedenen Apfelarten. Unser Vater Bernhard hat diesen Garten 1995 angelegt und dafür sogar eine Auszeichnung erhalten. Das spannende an diesem knappen Hektar sind Obstorten, die so selten sind, dass sie sicher noch nie eine Supermarkt-Tafel geziert haben. Ein Beispiel dafür ist der Kaiser Wilhelm Apfel (bzw. Peter Broich) aus dem 19. Jhd, der zwar lecker ist, aber schon allein aufgrund seiner schlechten Lagereigenschaften, den modernen Anforderungen nicht mehr gerecht wird.

Schnappt man sich beim Spaziergang durch den Obstgarten einfach mal einen Apfel ohne zu wissen was man da tut, ist das Geschmackserlebnis, als würde man Bertie Botts Bohnen* verkosten - man weiß nicht was einen erwartet. Je nach Sorte macht sich eine Säure breit, die sämtliche Gesichtszüge verzerrt, oder eine Bittere, die beinahe an ein IPA erinnert. Manchmal hat man aber auch Glück und erwischt eine süße und sehr schmackhafte Frucht mit fantastischen Aromaeigenschaften. Über die Jahre haben wir die Sorten gut kennen gelernt und wissen, wie wir uns die unterschiedlichen Eigenschaften zunutze machen können.

 

Wenn es darum geht, ein feines Apfelmus zu unseren Kartoffelpuffern zu kredenzen ist zum Beispiel der Gewürzluik ein absoluter Spezialist. Leider alternieren die „Luiken“ in diesem Jahr und machen 2020 eine Pause**. So kommen dieses Jahr Blutstreifling und Kantapfel zum Zuge und werden durch die Flotte Lotte zu einem feinen Mus verarbeitet. Für unseren Streuobst-Apfelsaft verwenden wir Jakob Lebel, Kaiser Wilhelm und den roten Boskoop. Der Mix der verschiedenen Aromen macht hier die Besonderheit aus.

Natürlich gibt es nichts zu ernten, wenn man sich nicht um seinen Obstbestand kümmert. Häufig wird unterschätzt, was für ein Aufwand in einen Streuobstbestand investiert wird. Neben der Ernte erfordert schon allein der Obstschnitt im Frühjahr viel Zeit. Als Hopfenbauern schreckt es uns gottseidank nicht ab, viele Meter über dem Boden zu arbeiten und Durchhaltevermögen haben wir auch. Auf was wir bei unserer Streuobstwiese verzichten, ist Pflanzenschutz und wir freuen uns über eine durchaus ansehnliche Qualität. Im großen Stil so natürlich nicht machbar, aber für unsere Zwecke ideal.

Unser Opa sagte: „Äpfel sind nicht zum Essen, sondern zum Produzieren da!“ Dies sehen wir anders und haben riesen Spaß daran, die Äpfel nicht nur anzubauen, sondern sie auch zu verarbeiten und vor allem zu vertilgen.

In den Genuss unserer Sortensammlung kommt ihr, wenn ihr uns zu den Apfeltagen bis zum 20. Oktober besucht oder euch ab November einen Pack vom „alte Sorten“ Saft ergattert.

 

*Ein Süßigkeitenmix von unangenehmen aber auch leckeren Geschmäckern. Von Schoko bis Popel!

**Die Bedeutung von Alternanz für nicht Agrarier lässt sich am besten mit einem Sabbatjahr vergleichen.

 

 

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